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Kolumne - Internet und Typen
Frage
Internet. Das erste mal. Auf einem Unix-Rechner war das bei mir. Das ist also Internet. Zuhause hatte man sowas nicht. Da gabs noch Mailboxen. Ein "Sysop" stellte einen PC auf, installierte eine Software (z.B: NBC) und dann konnte man sein Modem mit dem eigenen Modem anrufen. Das Modem, was ich damals für knapp 400 DM kaufte, hatte ich vor ein paar Wochen wieder mal drin. Nur 28800 bit pro Sekunde, ja. Aber ISA. Einstecken, DIP-Schalter einstellen, läuft. Keine Software installieren oder son Schwachsinn. Oder gar einen Treiber? Quatsch. COM-Port einstellen, fertig.
In solchen Mailboxen (farbiger Textmodus, "Grafiken" per ANSI) konnte man z.B. mit dem Sysop chatten. Oder in Foren diskutieren. Sowas ähnliches wie Gamesattack. Entweder wenn man online war oder mit spezieller Software offline. (Übertragung aller neuen Nachrichten aller abonierten "Bretter". Dann offline beantworten und das nächste mal werden die eigenen Antworten wieder abgeschickt. Da sich die Mailboxen nachts auch untereinander anrufen, konnte man so deutschlandweit und mit dem Fidonetz gar weltweit kommunizieren. Die Mail-Laufzeit war allerdings mit ein paar Tagen zu veranschlagen. Per Nodelist konnte man offline weltweit nach JEDER aktiven Mailbox suchen, die das Fido-Netz routet. Man hatte auch eine eindeutige "Mailadresse")
Doch klicki-klicki und bunte Bildchen bedrohten die Szene. Mailbox-Programme mit echter Grafik (Excalibur) setzten sich nie durch. Das WWW, von Physikern in von CERN-Kernforschern entwickelt, mauserte sich zum bunten, undurchsichtem Etwas. Die Massenverbreitung fand wie schon bei VHS-Kassetten durch Porno statt. Kinderporno und Bombenbauen - das Internet bekam sofort einen schlechten Ruf. Genau wie PennPaper-Rollis in den Medien verteufelt wurde, bekam es das Internet richtig dicke ab. Jeder Internet-User war gesellschaftlich potentieller Kinderporno-Konsument und Bombenbauer, also Abschaum. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass Kinderporno-Netze ihre widerlichen Angebote früher halt per Post schickte - deren Ruf zumindest *dadurch* nicht beschädigt wurde. Diese Netze unterhalten sogar gewisse Zeitungen mit halbeindeutigen Fotos zum "anfixen". Bislang hatte sich nach einem Bomben-Attentat keiner bekannt, die Anleitung im Internet gefunden zu haben. Da wurde das Internet durch den Neuen Markt entdeckt. Wörter wie "Kursfantasie" hatten ihren Einzug in die Alltagssprache. Die Leute kauften wie blöde, als gäbe es morgen keine Aktien mehr. Nun wurde das Internet wieder pervertiert. Also kostenloser (!) Dienst sollte er das Einkaufen revolutionieren. Wenn man mal bisschen weiter denkt, werden einem zwei Dinge auffallen. Entweder die Leute kaufen nicht mehr als früher ein. Dann gehen die Einnahmen aus dem Handel in der Zukunft lediglich in andere Hände. Unterm Strich gewinnt keiner. Oder die Leute kaufen mehr ein, was zwangsläufig die Sparquote drückt. Je niedriger die ist, umso mehr Zinsen bringt Sparen jedoch. Je höher die Zinsen, um so weniger Kredite werden aufgenommen, und um so weniger wird investiert. Also sinkt das Wirtschaftswachstum. Das wirkt sich auch auf die Löhne und Gehälter aus, langfristig werden die Leute also nicht mehr als heute einkaufen. Die mögliche Rezession kann die kurzfristigen Gewinne leicht wieder auffressen. Ein paar kluge Grossanleger kauften auch und beschlossen dann, sich die Gewinne auszahlen zu lassen. Nun setzte die Panik ein. Die Leute verkauften wie blöde, als gäbe es morgen keinen Kurs mehr. Internet - das war wieder was Anrüchiges. Denn dass man abgezockt wurde, obwohl man "Focus Money" gelesen hat, kann ja nicht sein. Da müssen üble Mächte am Werk gewesen sein. Die ganze Sache hatte jedenfalls ein gutes: Die Zahl der Internet-Nutzer wuchs. Man kann drei grosse Unterteilungen heutiger Internet-User vornehmen.
1 - Der User kannt noch die Mailbox-Szene. Solche User wissen oft, dass 28800 bps nicht "baud" heisst. Und dass es noch nie ein 28800-baud-Modem gab. Diese User waren oft schon damals in "Netzen" (so hiessen die Foren) aktiv. Weil die in der Regel moderiert wurden, bringen sie einen gewissen Grundanstand mit. Es sei denn, sie flamten gerne und oder waren als Twit gefürchtet.
Ein User Typ 1 bringt es fertig, bei schlechter Verbindung den Browser so einzustellen, dass die Grafiken nicht geladen werden. Viele halten javascript noch heute für Quatsch und denken bei Java an eine Insel. Und wozu Flat? Die Mails schreibt und beantwortet man offline - wie früher.
2 - Der User kannte die Mailbox-Szene nicht. Sondern hat gehört, hier kann man Pornos downloaden und Mädchen kennen lernen. Diese User chatten gerne und unterhalten sich lange mit Leuten wie "mausi", "girl18" usw... Die Typ-2-Internetuser denken oft, Internet = WWW. Ausser vielleicht FTP, wenn sie schon etwas erfahrener sind. Bei "kermit" fällt ihnen lediglich die Muppetshow ein, "gopher" halten sie für den Neffen von Goofi. Bei "telnet" denken sie an einen neuen Telefon-Anbieter, und im gleichen Zug vermuten sie, dass "MUD" ein Schreibfehler ist. "uutp" oder gar "base64"? Muss Insider-Kram sein. Braucht man nicht.
Äh, und wozu Mail als Text versenden? Kann man doch mit HTML so schöne, grosse Schriftarten verwende... oder bunte Farben nehmen...
3 - Der User begann, nunja, mit AOL. Ein AOL-Nutzer ist zu 90% *entweder* Z oder hat keine Ahnung, oder hält Internet für Anarchie oder hat akute Rechtschreibschwäche. Die anderen 10% haben nichts zu melden. Ein AOL-User weiss in der Regel nichtmal, dass AOL Netscape und Mirabelis (ICQ) gekauft hat. Und dass der Manager Steve Case heisst.
Eigentlich gibt es noch eine 4. Gruppe. Das sind jene, die mit BTX angefangen hat. Einiziges Merkmal ist, dass sie heute total unaufällig sind. Lediglich, wenn sich in einem uralt-Email-Footer (heute sagt man Signatur) ein String wie "#trek" befindet, weist das auf diese unrühmliche Vergangenheit hin.
Zu meiner Person: Ich gehöre zu den 10% von 3., weiterhin trifft 1. auf mich zu. Ein Flame ist ein unsachlicher Beitrag, in dem eine Person auf persönliche Art angegriffen wird. Ein Twit ist ein Schreiber, welcher (mit Absicht oder aus Doofheit) Leute "aufzieht". Kermit ist ein Übertragungs-Protokoll, gopher ein Suchdienst. Telnet ist eine Art Internet-Benutzung im Textmodus, z.B. um einen Computer per Konsole fernzusteuern. MUD heisst Multiuserdungeon und ist ein textbasierendens Online-Rollenspiel für viele Leute. uutp heisst ausgeschrieben unix-to-unix-transfer-protokoll. Das wird zum Beispiel für Mails verwendet. Da eine Mail grundsätzlich nur 7-bittig kodiert sein darf, müssen Binärdateien umkodiert werden. Per base64 werden so aus 3 binär-Bytes 4 Buchstaben. Die Umwandlung wird in heutigen Mailprogrammen längst im Hintergrund vorgenommen. Wer 3 MB per Mail versendet, überträgt in Wahrheit 4 MB.
aths 30012001 10022001
Antwort 1 von aths
Liest das überhaupt jemand?
Antwort 2 von har
Schon,
aber voller Ehrfurcht erstarren einem die Finger beim Versuch was anständiges zu tippen.
Äh, nimmt man noch seine Finger??
Harald :-))
aber voller Ehrfurcht erstarren einem die Finger beim Versuch was anständiges zu tippen.
Äh, nimmt man noch seine Finger??
Harald :-))
Antwort 3 von aths
Ich mach *einiges* mit den Fingern :)
Mich würde interessieren, wie eure ersten Erfahrungen sind. (Also das Internet betreffend...) Und vorallem, ob ihr die (etwas satirisch, aber auch etwas ernst gemeinte) Einteilung der Internet-User berechtigt findet.
Das Z in der Kolumne war übrigens eine saloppe umschreibung für "homosexuell"
Mich würde interessieren, wie eure ersten Erfahrungen sind. (Also das Internet betreffend...) Und vorallem, ob ihr die (etwas satirisch, aber auch etwas ernst gemeinte) Einteilung der Internet-User berechtigt findet.
Das Z in der Kolumne war übrigens eine saloppe umschreibung für "homosexuell"
Antwort 4 von Yoram
Ich bin sicher nicht in eine der drei Gruppen einzuordnen.
Es mag aber etwas wahres an Deiner Kolumne sein.
Aber meine Frage: "Was bringt der Beitrag? Was willst Du damit sagen?".
Ciao
Es mag aber etwas wahres an Deiner Kolumne sein.
Aber meine Frage: "Was bringt der Beitrag? Was willst Du damit sagen?".
Ciao
Antwort 5 von aths
In welche Gruppe, die hier nicht aufgeführt ist, würdest du dich denn einordnen?
Was der Beitrag bringt? Weiss ich nicht, hoffentlich habt das ein paar Leute gefallen (oder auch nicht), als hier antworteten.
Was der Beitrag bringt? Weiss ich nicht, hoffentlich habt das ein paar Leute gefallen (oder auch nicht), als hier antworteten.

