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White noise
Frage
Wenn man einen guten Song lange hört, erkennt man die verborgenen Töne, die versteckten Akzente und die wirklich guten Wechsel. Wenn man dann diese Parts auf einige Sekunden reduziert hat, möchte man immer und immerwieder die gleiche Passage hören. Wir reduzieren auf den Kernpunkt,
fokussieren immer mehr auf das Zentrum und vergessen das Erlebnis im Gesamtkontext.
Wenn eine Sonne untergeht und wir dabei sind, dann ist es schön weil das Meer dahinplätschert, die Möwen ihren Abendgesang geben, der Sand unter unseren Füssen knirscht und das Brummen in unseren Schädeln ein feine Melodie bildet. Die Melodie der Fiktion, der Abstraktion und dessen was nicht ist, aber sein kann. Wenn Wünsche und Vorstellungen uns bestimmen ist es gut. Wenn bloße Tatsachen unser Denken bestimmen ist es falsch, weil es keinen Platz läßt für ein Brummen, das weiße Rauschen des Undefinierbaren.
Man kann Dinge sehen, wie sie sind, oder wie sie nicht sind, aber man kann auch Dinge sehen, die schön sind, weil sie zeigen wie hässliche Dinge eine schöne Seite ansich haben. Ich beneide Menschen, die in der Lage sind, nur eine Seite von etwas zu sehen. Sie stehen dazu und verteidigen es als ob es eine unumstössliche Wahrheit wäre. Denen kannst du alles erzählen, sie glauben es nicht und sehen nur auf ihre Weise. Irgendwie ist das schön, sie glauben es nicht, weil es nicht ihre Wahrheit ist. Da ist kein Platz für Zweifel. Obdachlose z.B. Auch jetzt, in der gerade noch kalten Jahreszeit. Die haben eine ganz eigene Sicht auf die Dinge um sie herum. Einigen ist es peinlich, in Hauseingängen zu sitzen und zu warten (auf was eigentlich?) Anderen ist es gar nicht peinlich. Ich sah einmal, wie so ein P enner (so nannte man die früher, heute hat sich der Begriff 'Obdachloser' durchgesetzt), in einen Mülleimer griff. Er suchte darin herum, wie nach einem Goldklumpen. Das rührte mich an und ich
ging auf ihn zu. Ich sah in meine Brieftasche und da war nur ein 20 Euroschein. Mir war es irgendwie peinlich aber ich streckte ihm den entgegen und er schaute kurz drauf, stieß einen ablehnenden Laut aus und wandte sich von mir ab. Da kam ich mir reichlich überheblich vor und schämte mich irgendwie.
Heute weiß ich, die Jungs und Mädels da draussen in ihrer verotteten Kleidung sind irgendwie schon cool. Sie haben halt' ihre eigene Meinung zu den Dingen. Sie haben keine wirklichen Probleme. Sie leben vor sich hin, Revoluzzer gewissermassen.
Die meisten haben zwar einen schwachen Geist aber eine harte Meinung von sich und ihrer Umgebung. Und das ist beneidenswert in einer Art. Wer das nicht glaubt, setzt sich mal zu einem Obdachlosen oder Junkie oder so jemandem.
Erzähle ihm was von Erfolg und wie schön es sein kann, erfolgreich im Beruf zu stehen. Mit verständnissvollen, geistreichen Leuten zusammenzusein und Kreativität in beidem, Beruf und persönlichem Leben, zu verwirklichen. Die glauben das einfach nicht. Weil sie sich auf ihre Sache konzentrieren können.
Es geht nicht darum ob es gut oder schlecht ist, ob es überheblich sein kann, nicht obdachlos zu sein oder armselig, es zu sein. Im Leben zu stehen und nicht zu wissen ob alles richtig ist, wie es im Moment ist, das ist armselig.
Diese Leute wissen genau, wo sie stehen. Eigentlich sehr schade, daß die meisten nicht lange überleben. Viele dieser Leute sind Menschen, wir sollten sie mehr einbeziehen. Mal auf einen Kindergeburtstag einladen, wo die Kinder Torten draufwerfen können oder solche Sachen. Ein toller Spass für die Kleinen. Einfach mal nicht wegsehen und diese Leute teilhaben lassen an unserem Leben. Schließlch sitzen sie auch in unseren Strassen herum und zeigen sich, aber wir
gehen ihnen immer nur aus dem Weg.
Vielleicht sollte ich mal Urlaub machen, in ein Pelzgeschäft einlaufen, mit zweidrei Mänteln türmen und dann unter einer Brücke übernachten. Mit Namen und Adresse auf den Oberschenkeln geschrieben natürlich. Keine Lust so zu enden, aber diese Freiheit aus erster Hand zu erleben könnte ein Schritt in heilende Selbstbefreiung bedeuten.
Wir sind unfähig zu zentralisieren, unfähig eine Sache zu sehen. Aber das ist falsch. Wir sollten unser Auge auf einen Punkt ruhen lassen, denn es schwört uns auf den Moment ein. Dieser Moment kann schön sein, lassen wir uns nicht ablenken von der Vielfalt unserer Umgebung. Wenn wir den Blick für den Moment nicht mehr halten können, verlieren wir letztendlich den Blick für alles. Wir sollten reduzieren, auf zwölf, auf sechs, dann auf drei. Am Schluss bleibt eine Sache. Vielleicht ist die ja gut.
spectral
Antwort 1 von Bregenz
Antwort 2 von harrie
seit ich wieder mit dem rauchen angefangen habe hab ich kein geld mehr um mich zu waschen. was soll man machen. das leben ist kein wunschkonzert

