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Gleichlageverfahren Gabelschaltung Uk0





Frage

Hallo, meine Frage betrifft das sog. Gleichlageverfahren (--> Uk0-Schnittstelle ISDN), welches das zeit- und frequenzgleiche Senden und Empfangen auf einer Doppelleitung ermöglicht. Man bedient sich einer Gabelschaltung, um das zu sendende vom zu empfangenen Signal zu trennen. Was mir unklar ist, beeinflussen sich die Signale nicht auf der Übertragungsleitung? Das Verfahren wird ja auch in der digitalen Datenübertragung eingesetzt, wenn also beide Teilnehmer gleiche Pegel führen, dann wird nichts gesendet und nichts empfangen...um nur mal einen möglichen Fall zu nennen... Da weder im Internet, noch in dicken Fachbüchern eine genaue Erklärung zu finden war, gehe ich davon aus, dass das Problem zu trivial ist und ich zu blöd bin, um es zu kapieren, aber vielleicht weiß es ja einer von euch, wäre lässig..? Gruß Automatthias

Antwort 1 von Pumuckel

Man wird wohl wenig darüber finden, weil diese Übertragungsart eigentlich veraltet und vergleichsweise kompliziert ist.

Zum einen muß man sich von der Vorstellung veranschieden, daß bei digitaler Datenübertragung nur Nullen und Einsen auftreten. In der Realität werden die Bits als Pulse mit ganz bestimmten Pulsformen übertragen, d.h. die Übertragung ist im Grunde analog. Dies führt dazu, daß bei gleichen Pegeln eine positive Überlagerung stattfindet und die Amplitude des Sendesignal quasi verdoppelt wird (abzüglich der Leitungsverluste).

Beim Gleichlageverfahren wird in einem Echokompensator die Übertragungsleitung (=Kanal) durch adaptive Filter nachgebildet. Sowohl durch diese Kanalnachbildung als auch durch das Kabel wird das Sendesignal des Senders A übertragen. Vor dem Empfänger A wird dann eine Differenz zwischen dem Signal, welches durch das Kabel vom Sender B kommt und dem Signal, welches von der Nachbildung des Kanals vom Sender A kommt, gebildet. Dadurch löschen sich die Daten des Senders A vor dem Empfänger A näherungsweise aus. Übrig bleibt neben Rauschen nur das Signal des Senders B.

Durch das Bild wird es evtl. etwas anschaulicher.

Antwort 2 von Automatthias

Danke für die Erläuterung. Die Signale beeinflussen sich also schon, können aber durch das Echokompensationsverfahren getrennt werden. Ok, das ist mir klar.
Nur warum sich die Signale eigentlich summieren will mir nicht einleuchten. Die beiden Teilnehmer sind doch über die Leitung im Prinzip parallel geschaltet, wenn beide den selben Pegel führen, dann fließt über die Leitung kein Strom und die Spannungen addieren sich nicht.
Zwei gleiche parallele Spannungsquellen addieren ja auch nicht ihre Ausgangsspannungen.
Mir ist schon klar, dass ich irgendwo einen Denkfehler habe, denn die Sache funktioniert ja in der Praxis...
Mir tut schon der Kopf davon weh..

Antwort 3 von Pumuckel

Im Gleichstromfall hättest Du Recht, dann wäre der Pegel nach dem Einschwingvorgang letztendlich identisch. Die Signale sind aber Wechselspannung und die Leitung ist kein perfekter Leiter. Dazu kommt, daß die Leitung eine Signalverzögerung bewirkt.
Man kann es sich am Besten als 2 aufeinander zulaufende Wellen vorstellen.

Letztendlich sind die 2 Sender (also Spannungsquellen) nicht direkt parallel geschaltet. Das Kabel dazwischen wirkt wie eine Verschaltung von Widerständen(seriell), Induktivitäten (seriell) und Kapazitäten (parallel). Durch die reaktive Wirkung der Kapazitäten und Induktivitäten in Verbindung mit der Wechselspannung entstehen auf der Leitung viele verteilte Schwingungen. Wenn dann Resonanzen auftreten gibts eben Überlagerung.

Wenn Du es nicht mußt, dann versuch Dich nicht zu sehr in Details zu verlieren. Wie gesagt ist das Gleichlageverfahren eher veraltet. Und Leitungs- bzw. Übertragungstheorie ist sehr sehr lästig... genaugenommen auch schon dann, wenn nur in eine Richtung gesendet wird.

Antwort 4 von Automatthias

Also nochmals danke für deine Erklärung. Ich denke, ich habs sogar kapiert. Das Bild mit den Wellen gefällt mir sehr gut.
Gruß
Automatthias

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