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Muß ich eigentlich jeden Job annehmen?





Frage

Hallo Leute Ich bin Arbeitslos und beziehe mittlerweile Arbeitslosenhilfe. Heute habe ich einen Brief vom Arbeitsamt bekommen, indem sie mir eine Arbeitsstelle bei einer Zeitarbeiterfirma vorschlagen, die ca. 70km von meinem Wohnort entfernt ist. Das Gehalt liegt bei 6,85€ / Std. Meine Arbeitslosenhilfe bei 21,98 täglich. Muß ich eigentlich jeden Job annehmen? PKW ist vorhanden. Gruß Martin

Antwort 1 von Timid

Noch nicht. Du musst natürlich beachten, dass du nichts machst, was zu Sperrzeiten führt (grundlos nicht bewerben, alkoholisiert beim Vorstellungsgespräch etc. pp.).

Ab 2005 sieht das dann anders aus :-(

Zitat:
Jeder Bezieher von ALG II muß dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und gegebenenfalls zumutbare Arbeit auch ohne Entgelt leisten. Im Verweigerungsfall tritt die Kürzungsregelung in Kraft. Zumutbar ist es z.B. wenn ein Diplomingenieur zur Hundekotbeseitigung im Park ohne Arbeitsvertrag und ohne Gehalt eingesetzt wird. Er erhält dafür weiterhin seine Arbeitslosenhilfe, sprich ALG II. Jede Arbeit ist zumutbar. Zum Katalog der zumutbaren Arbeiten gehören Maßnahmen, die nicht dem Beruf oder der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit entsprechen, die in Hinblick auf den erlernten Beruf und der erworbenen Qualifikation als geringerwertiger anzusehen sind, deren Beschäftigungsort weiter entfernt vom Wohnort ist als ein früherer Beschäftigungsort, deren Arbeitsbedingungen ungünstiger sind als bei bisherigen Beschäftigungen


Quelle

70 Kilometer sind eine zumutbare Fahrstrecke (mein Stiefvater fährt täglich insgesammt 200!!)

Du darfst auch nicht nach dem Gehalt gehen sondern nach dem Job. Will dich die Zeitarbeitfirma nur befristet? Sollst du Arbeiten leisten, die in keinem Verhältnis zum Gehalt stehen? usw.

Liebe Grüße
Timid


Antwort 2 von rg

wenn Du generell dazu geneigt bist zu arbeiten, würde ich Dir empfehlen, auch solche Jobs anzunehmen.

Aus folgendem Grund:

Wenn Du einen Job hast, steigen deine Chancen im Bewerbungsgespräch für Deinen Traumjob - der sich evt. in Zukunft in Deiner Umgebung bietet.

Als Arbeitsloser - speziell als Langzeitarbeitsloser - sinken Deine Chancen auf einen Job täglich.

Jeder Hinweis darauf, dass Du Du engagiert bist und auch dann und wann die Bequemlichkeit überwindest, kommt bei einer Bewerbung gut an.



Antwort 3 von sojourner

arbeitslosenhilfe?

na dann biste ja schon über'n jahr arbeitslos. was'n los?...nix bekommen in dieser zeit?...oder zu anspruchsvoll?

ich war 6 wochen arbeitslos und habe 4 stellenangebote bekommen...dort war nicht eine zeitarbeitfirma dabei. hab mich selbst bemüht etwas zu finden...und vor allem hab ich dem jobvermittler klar gemacht das ich arbeiten möchte.

wer darauf baut vom arbeitsamt vermittelt zu werden, muss sich über solche stellenangebote nicht wundern.

Antwort 4 von Lutz1965

Hallo

auf alle Fälle nehme den Termin wahr und gehe hin und stelle Dich vor...

Sonst kann es sein, das Du den Anspruch auf ALH verlierst...

Gruss

Lutz

Antwort 5 von SvenjaK

Folgendes solltest du beachten

- Grundsätzlich musst du jede "zumutbare" Tätigkeit annehmen. Wenn du grundlos ablehnst, wird dir mangelnde Mitwirkung vorgeworfen und die AlHi für eine gewisse Zeit gesperrt oder sogar ganz gestrichen, wenn es mehrmals vorkommt. Meines Wissens gilt eine tägliche Fahrtzeit von 2 Stunden pro Fahrt, also insgesamt 4 Stunden pro Tag noch als zumutbar!! Wie das mit einem normalen Familienleben vereinbar sein soll? Tja, die Zeiten werden immer härter.

- Wenn du abgelehnt werden willst, wirst du auch abgelehnt von potentiellen Arbeitgebern, auch ohne laut "will ich nicht!" zu schreien. Wie, überlass ich deiner Fantasie.

- Nur weil das Zeitarbeitsunternehmen 70 km von dir entfernt ist, heißt das nicht, dass du jeden Tag 140 km fahren musst. Denn es ist durchaus möglich, dass du in Wohnortnähe eingesetzt wirst, da Firmenstandort und Einsatzort nicht identisch sind.

- Zeitarbeit ist nicht grundsätzlich des Teufels. Ich habe es selber ne zeitlang gemacht, nicht mal besonders schlecht verdient und eine Menge dazu gelernt. Außerdem besteht immer die Chance, von einer der Firmen übernommen zu werden, in denen du tätig bist.

- Ein Nachteil, wenn du jetzt einen wesentlich schlechter bezahlten Job annimmst, ist, dass nach deinem letzten Einkommen die AlHi berechnet wird. Du verstehst? Wirst du also erneut arbeitslos, bekommst du weniger Geld als jetzt. Außerdem reicht ein einziger Tag im Arbeitsverhältnis, um unter die relativ neue Regelung zu fallen, die besagt, dass auch AlHi nur noch für max. ein Jahr gezahlt wird und du anschließend zum Sozialamt gehen musst. Das bedeutet nicht nur weniger Geld sondern auch den Verlust des Anrechtes auf berufliche Förderung, Fortbildung usw.

- Die Frage ist, ob ein potentieller Arbeitgeber es honoriert, dass du als Kloputzer gearbeitet hast trotz abgeschlossen Hochschulstudiums, um nicht das Stigma "arbeitslos" zu tragen oder ob er sich denkt "einmal Kloputzer, immer Kloputzer". Das hängt eben von der Grundeinstellung des AGs bzw. Personalchefs ab.

- Wenn du schon länger arbeitslos bist, wirst du deine Ansprüche ein wenig runterschrauben müssen oder dich evtl. weiterbilden, wenn du nicht ganz den Anschluss verlieren willst.


Entscheiden musst du. Noch hast du diese Möglichkeit (s. Antwort 1). :-(

Viel Glück!
Svenja

Antwort 6 von Martin 445

Hallo Sojourner

Ich habe über 20 Jahre durchgearbeitet.Zuletzt 13 Jahre in einem Sägewerk in der Packerei zu einem kurs von 12,50€/Std.. War eine richtige Knochenarbeit.
Wenn sich dieser Lohn nun fast halbiert (ich kann als Zeitarbeiter auch in einer solchen Firma landen), gibt mir das schon zu denken.

Meinem Jobvermittler brauche ich garnichts klar zumachen, der hat seinen Job zu machen und gar keine anderen möglichkeiten.
Ob ich nun auf das Arbeitsamt baue oder nicht, diese Angebote kommen.

Habe auch schon mit dem Gedanken gespielt eine Ich-AG zu gründen und an einem Existenzgründungsseminar teilgenommen.
Hatte leider das falsche Konzept.Überleg mir noch ein anderes.

Glaub mir "ab und zu" schreibe ich auch Bewerbungen und bemühe mich, aber das wir soviele Arbeitslose haben hat schon seinen Grund.Dreimal darfst du raten.
Es gibt nicht genügend Arbeitsplätze.
Außerdem werden die meisten der freien Stellen durch Zeitarbeiter besetzt.Die sind nämlich Pflegeleichter.

Vielleicht sollten die großen Unternehmen ihr anspruchsvolles Denken (Profitgier) reduzieren, anstatt den Staat damit zu erpressen ins Ausland zu gehen.
44 Std.-Woche, streichen von Urlaubs- und Feiertagen senkt bestimmt nicht die Arbeitslosenzahlen, sondern genau das Gegenteil.

Bin ja mal gespannt wie hoch die Stundenlöhne in 5 Jahren sind.

Die Reichen werden reicher, die armen Ärmer.


Ich wünsche allen ein schönes Wochenende
und vielen Dank für eure Unterstützung

Martin