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Duden = Gesetz der deutschen Sprache?!





Frage

Hallo, gibt es irgendwo ein deutsches Gesetz (Regel), welches den Duden (bzw. die Wörter darin) zu sprachlich korrekten und unumstreitbar verwendbaren deutschen Wörtern macht? Man hört öfters den Spruch "Ich schau mal im Duden nach" einen bestimmten Wort)", aber wieso eigentlich? Weil man ihn in der Schule verwendet(e)?! Wieso wird er eigentlich von allen Schulen (hauptsächlich natürlich im Deutschunterricht) als Referenz für die korrekte deutsche Rechtschreibung verwendet. Dazu müsste dieses Buch doch per Gesetz als deutsches Rechtschreibnachschlagewerk definiert sein. Ist er das? Ansonsten könnte ich doch jedes andere Buch nehmen und sagen, dass ein Wort darin steht und dieses daher rechtschreiblich korrekt ist (weil es eben so geschrieben in den besagten Buch steht). Kleine Zwischenfrage: Hat der Dudenverlag auch noch nennenswerte Konkurenz? Denkt mal drüber nach... (und antwortet auch bitte ;-) Ach und wenn der Duden doch nicht die gesetzlich definierte Bibel der deutschen Sprache ist, wo schlägt man dann die korrekte Rechtschreibung eines Wortes nach? Irgendwo muss doch definiert sein, wie ein deutsches Wort aussieht - schließlich leben wir ja in Deutschland und da ist ja eigentlich alles haarklein geregelt ;-) Oder sollte ganz und gar die deutsche Rechtschreibung gar nicht definiert sein. Aber auf was sollte sich dann z.B. ein Deutschlehrer berufen, wenn man einer seiner Schüler in einem Diktat ein Wort anders geschrieben hat, als er es kennt... [i]<gruß thj>[/i] (der lange Zeit dem SN abstinent war)

Antwort 1 von Myles

Antwort 2 von Myles

Antwort 3 von KJG17

Hi THJ,

auch wieder mal da?

Es gibt kein 'Rechtschreibgesetzt', aber eine Regelungsbefugnis der Bundesländer für Schulen und Behörden. Theoretisch könnte ein oder mehrere Bundesländer die zuvor einheitlich beschlossenen Regelungen auch wieder zurücknehmen.

Und obwohl solche Reformen auch noch mit der Schweiz und Östereich abgestimmt und beschlossen werden, entscheidet dann doch wieder jedes Land für sich, ob und wann die Sache nun umgesetzt wird, oder nicht.

Dass der 'Duden' sozusagen kokurrenzlos ist liegt daran, dass er 1955 von der (west)deutschen Kultusministerkonferenz für in Zweifelsfällen verbindlich erklärt wurde. Später haben sich dann zumindest Deutschland, Östereich und die Schweiz auf einen gemeinsamen 'Duden' geeinigt, was der Sache mit dem Duden fast schon Gesetzeskraft verlieh, aber meines Wissens bis heute nirgendwo gesetzlich geregelt ist.

Wie oben schon gesagt, verbindlich ist der Duden eigentlich nur für Schulen und Behörden, der Rest darf gerne so schreiben oder drucken, wie er Lust hat. Deshalb kannst du auch gerne ein beliebiges Buch als Maßstab für die Korrektheit deiner eigenen Rechtschreibung benutzen. ;o)

Gruß
Kalle

Antwort 4 von Primut

Wie jetzt?
Findest du, dass es in Deutschland zu wenig Gesetze gibt???
Könnte ich mir schon sehr gut vorstellen: Klagen zu Rechtschreibfragen! ;-)))
Wäre auf jeden Fall die perfektes ABM.
Und wenn es dann schon Gesetze dafür gäbe, könnte man sicher auch eigene Wörter patentieren lassen usw.. ;-)))

Na ja, wie auch immer, vielleicht könnte man es in diesem Computerforum so formulieren:
Die deutsche Rechtschreibung ist zwar Freeware aber kein Open-Source.

Gruß
    Primut


Antwort 5 von donossi

Hallo

Und für die Leute die den Unterschied zwischen Freeware und Opensource nicht verstehen:

Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware.
Allerdings ist sie nicht Open Source, d. h. du darfst sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen.


Zitat:
der Rest darf gerne so schreiben oder drucken, wie er Lust hat.


Werä irgentwi aba schliem wehn jeter so schaiben wirde wi er daß gerade möchte.

Ich hatte mal einen bekannten, der ist mit der deutschen Rechtschreibung echt nicht klar gekommen ist und er hat immer so geschrieben, wie ich in dem Satz zuvor. Das war teilweise echt schwer zu lesen und nerfig!

Wenn mal ein Fehler drin ist, dann ist das sicherlich nicht erwähnenswert, aber die meisten Wörter sollten doch geschrieben werden, wie es die Allgemeinheit für richtig hält.

Gruss

DonOssi

Antwort 6 von Hellcat

Na, die Frage kann eigentlich nur von einem Juristen stammen... ;)

@ donOssi:
Die deutsche Sprache bzw. Rechtschreibung ist eben doch open source, denn der Quellcode liegt offen und jeder kann sich bedienen, verändern und verändert veröffentlichen. Sprache lebt (siehe Luther: "dem Volk aufs Maul schauen")!

Wie Du richtig geschrieben hast, "sollte" man natürlich einheitlich schreiben, die Gründe sind vielfältig, aber einleuchtend. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen "soll"- und "hat"- bzw. "muss"-Normen (die Juristen weder verstehen).

Es ist eben nirgendwo gesetzlich festgelegt, wie Du zu schreiben hast - außer eben in der Schule, Uni usw. Falsche Rechtschreibung ist auch nicht unter Strafe gestellt. Weder straftat- noch owig-tatbestandlich.

Deinem Bekannten ist also rechtlich gesehen nichts vozuwerfen. Ob er damit in seinem Berufsleben erfolgreich sein kann, ist eine andere Frage. Genauso gut könnte ich mich entscheiden, von heute an nur noch auf Mittelhochdeutsch und in Sütterlin zu schreiben. Ob mich dann noch jemand verstehen würde, ist natürlich die Frage...

Eine gute alternative (um die anderer Frage zu beantworten) zum Duden ist z.B. die Bertelsmann-Rechtschreibung. Da steht so ziemlich das Gleiche drin wie im Duden, eigentlich genauso aufgemacht, ist aber etwas günstiger.

Antwort 7 von Neino

Ich sehe die Sache aus einer völlig anderen Perspektive!

Nehmen wir mal an, ihr bewerbt euch auf einen höheren Posten, sagen wir mal im Kommunikationsbereich. Glaubt ihr wirklich, dass es dem Personal-Management egal ist, ob ihr bestimmte Wörter nach Duden schreibt oder nicht und welche grammatikalen Verfehlungen ihr so in euer Bewerbungsschreiben einbringt?
In der Geschäftswelt wird pinibel darauf geachtet und das ist IMO auch gut so.
Wie und was ihr im Chat von euch gebt oder auch in einer E-Mail, das ist natürlich eure ganz persönliche Angelegenheit, aber denkt bite daran, dass der Gegenüber sich das Geschriebene merkt und sich vielleicht die gleichen Fehler in einer Hausarbeit leistet. Also ist es eben doch nicht egal, finde ich. Und auch erst recht nicht auf einer Homepage. Würden alle Leute so schreiben, wie ihnen lieb ist, würde das reine Chaos regieren.

Antwort 8 von son_quatsch

Der Sinn von Schriften ist doch, dass man damit Informationen austauschen kann. Je mehr sich an dieselben Worte und deren Bedeutungen halten, desto besser verstehen sie sich auch.

Wenn die überwiegende Mehrheit kollektiv ein Wort gebraucht (z.B. "einzigste"), was eigentlich völlig falsch ist aber jeder weiß, was damit gemeint ist - dann ist das im Endeffekt auch nicht das schlimmste. Schlimm dabei ist allenfalls, dass dies eine Toleranzspirale in Bewegung setzt, die sich im Laufe der Zeit immer weiter fortsetzt und irgendwann wird kaum einer mehr wissen, wie es denn richtig war.

Sinn macht der Duden vor allem bei Definitionen. Denn wenn man etwas in Schrift festhält (und anders geht es nicht - die Sprache ist dasselbe und digital können wir uns nicht in Zahlen unterhalten), dann möchte man das je nach Umstand sehr genau und explizit machen.

Beispielsweise ist das Wort "Sicherheit" mehrdeutig: ist damit Schutz oder Integrität gemeint? Und wer die Muttersprache nicht mindestens gut beherrscht, dem unterlaufen auch oft solche uneindeutigen Formulierungen. Was aber nicht sein müsste.


Ergo: Duden macht Sinn, wenn man Präzision benötigt. Ansonsten müssten wir uns eine andere Norm der Kommunikation ausdenken.

Antwort 9 von Neino

Ich geb Dir mal ein Beispiel:

"Ich möchte das Gehäuse meines PCs öffnen, aber die Seitenwand hackt."

Du glaubst gar nicht, wie viele Jugendliche "hackt" schreiben und nicht "hakt". Und dadurch, dass immer wieder dieser Fehler gemacht wird, prägt sich das ein, und das darf IMO nicht sein! Ebenso "Herzlich Willkommen" (richtig ist "Herzlich willkommen").

Und, ach ja...der/die/das Einzigste bitte groß schreiben...auch wenn es das Wort angeblich nicht geben mag.

Antwort 10 von son_quatsch

@Neino: falsch! Gegenbeispiel:
"Die einzige Möglichkeit besteht darin, im Duden nachzuschlagen."

Übrigens kam es mir nicht darauf an, Leute ständig darauf hinzuweisen, dass es eben nicht

  1. hackt
  2. Packet
  3. Addresse
  4. als wie
  5. benütz*
...usw. heißt und falsch ist. Das machen inzwischen soviele, dass es kaum noch Sinn macht darauf hinzuweisen. Mein Gedanke war, dass trotzdem noch verständlich ist, was gemeint war - und zwar ungeachtet der Tatsache, dass auch ich mich schnell über Rechtschreibinkompetenz ärgere.

Antwort 11 von KJG17

Zitat:
Und, ach ja...der/die/das Einzigste bitte groß schreiben...auch wenn es das Wort angeblich nicht geben mag.


Doch, das gibt es, zu finden in der Kategorie Brutalstmöglichst gesteigerter Superlativissimus

Gruß
Kalle

Antwort 12 von sutadur

Solange im Duden Worte wie "simsen" auftauchen, habe ich erhebliche Zweifel daran, dass dem Dudenverlag wirklich daran gelegen ist, ernstgenommen zu werden.

Antwort 13 von son_quatsch

@sutadur: Ja, ich verstehe deinen Einwand. Aber ähnlich wie bei der ISO denke ich, dass man das Gesamtkonzept nicht komplett ablehnen muss, nur weil in letzter Zeit unsinnige Sachen hinzukommen. Der alte Duden vor "simsen" steht nachwievor bei mir im Regal und genießt immernoch ein hohes Ansehen bei mir.

Abgesehen davon (und dass "simsen" ein hoffnungslos grauenvolles "Wort" ist): ab und an ergeben sich halt neue Worte. Kann mich zwar nur schwer mit dem Wort anfreunden, aber ich kann mich dran gewöhnen...

Antwort 14 von Arno_Nym

@Neino

Zitat:
In der Geschäftswelt wird pinibel darauf geachtet und das ist IMO auch gut so.

Also bewirb dich mal lieber nicht dort. Auch nicht als Pinwand.

Zitat:
Wie und was ihr im Chat von euch gebt oder auch in einer E-Mail, das ist natürlich eure ganz persönliche Angelegenheit, aber denkt bite daran, dass der Gegenüber sich das Geschriebene merkt...

Mir merken uns das auch... Wenn bitte willst du beißen?

PS: Sorry, das mußte jetzt sein. Selbst schuld ;o)

Arno

Antwort 15 von Arno_Nym

Die Supportware hat eindeutig das W um 180° gedreht! Sowas aber auch! ;o)

Arno

Antwort 16 von Arno_Nym

Hey, und ein "n" hat sie auch verdoppelt! ;o)

PS: Ich hau jez ab, befor ich noch mähr Unnsin schraibe...

Arno

Antwort 17 von Neino

Und genau das sind die typischen Kommentare, wie man sie zu Hauf bei Heise findet. Leute, die eigentlich gar nicht wissen, wovon sie reden, aber einfach mal etwas Sinnfreies in den Raum werfen und sich selbst aufwerten, in dem man angebliche Schachstellen anderer Personen aufdeckt, die es sachlich gesehen oftmals gar nicht gibt, zumal es in keinster Weise darum ging, ob, wie und wann ich mich bewerben würde oder ob ich selbst dem Personalmanagement angehöre. Demnach völlig am Thema vorbei.

Toll gemacht, Mr. Arnonym.

Zurück zum eigentlichen Thema...

Antwort 18 von Messervy

Rechtschreibung > richtige Schreibweise > richtungsweisende Schreibweise

Normierung gibt Sinn.

Schreib mal ne Internet- oder Emailadresse?
Ach, das ist etwas Anderes? Wieso das?

Antwort 19 von Messervy

Das kommt vom falsch Schreiben.

... sollte heißen:

Schreib mal ne Internet- oder Emailadresse falsch.
Ach, das ist etwas Anderes? Wieso das?

Antwort 20 von Neino

Ist ziemlich weit hergeholt, aber stimmt natürlich.

Übrigens finde ich "ich simse" durchaus passend. Wer möchte schon "ich schreibe eine SMS" ausschreiben, zumal es SMS bald nicht mehr gibt, weil in ein paar Jahren alle nur noch E-Mails schreiben, da kostengünstiger, es lässt sich mehr Text unterbringen und ggf. mit Anhang (also evtl. MMS eingespart). Aber auch das ist widerum ein völlig anderes Thema.

Antwort 21 von Neino

Sehr ihr...mancher würde jetzt schreiben.."widerum" oder "wiederum" ist doch eh egal. Eben nicht...und somit ist auch mir vorhin ein Fehler unterlaufen und in diesem Zusammenhang wieder ein gutes Beispiel. Würde ich jetzt nicht korrigieren, schreibt so mancher Jüngling im nächsten Diktat ebenfalls "widerum" und bekommt schon mal keine 1 mehr. Möchtest ihr das verantworten?> :-)

Ich denke, nun wisst ihr, was ich meinte.

Antwort 22 von Neino

...und um unserem Arno gleich den Wind zu nehmen..."möchtest" war exakt der Wortwitz, den ich angedacht hatte.

Schönen Feierabend euch allen.

Antwort 23 von Hellcat

ICH möchte "ich schreibe eine SMS" ausschreiben, auch wenn ich selbst gut auf diesen Mist verzichten kann. Weil es richtiges und gutes Deutsch ist.

Ich finde eben, dass Bequemlichkeit nicht immer auf Kosten von Korrektheit gehen muss. Im Gegenteil.

Der/die/das Einzige wird übrigens groß geschrieben, auch wenn es bei "die einzige Möglichkeit" klein geschrieben wird. Differenzierungsfähigkeit ist heute eine seltenes Tugend.

Antwort 24 von Messervy

Antwort 25 von Hellcat

Mit Deutschland geht es wirklich bergab.

Antwort 26 von Arno_Nym

Zitat:
...und um unserem Arno gleich den Wind zu nehmen..."möchtest" war exakt der Wortwitz, den ich angedacht hatte.

Dann korrigiere doch bitte deine anderen Fehler auch noch. Oder willst du deinem eigenen Anspruch nicht gerecht werden?

"pinibel" ist grausam und "in keinster Weise" ist schmerzhaftes Un-Deutsch. So wird es nie was mit dem Diktat ;o)

Arno

Antwort 27 von Miboba

Zitat:
ICH möchte "ich schreibe eine SMS" ausschreiben, auch wenn ich selbst gut auf diesen Mist verzichten kann. Weil es richtiges und gutes Deutsch ist.

Das ist doch alles relativ ;)

Wenn Du später geboren worden wärst, würdest Du mit Worten wie "simsen" aufwachsen und es wäre ganz normal und niemand würde sagen, dass dies schlechtes Deutsch ist. Wahrscheinlich sind unsere Eltern und Großeltern auch bei vielen Worten, die heute als gutes Deutsch gelten, anderer Ansicht.

Es ist doch auch kein Geheimnis, dass Worte, die sich im allgemeinen Sprachgebrauch duchsetzen, irgendwann in den Duden aufgenommen werden. Sprache lebt und entwickelt sich, auch wenn einige Schlechtschreibreformer meinen, man könnte sie gewaltsam verbiegen.

Ihr könnt natürlich eine persönliche Grenze ziehen und sagen, alle Worte, die z. B. in den letzen 20 Jahren neu in den Duden aufgenommen wurden sind sowieso blöd und gar kein richtiges Deutsch und sie nicht anwenden.

Konsequenterweise müsstet ihr aber auch in Sütterlinschrift schreiben, denn diese komischen lateinischen Buchstaben haben hier doch eigentlich auch nichts verloren.

Der Duden hat sich nun einmal als Standard durchgesetzt und ich finde es gut, dass es einen gemeinsamen Nenner gibt, sonst würden doch nur endlose Diskussionen über die Schreibweise von einzelnen Worten stattfinden.

Noch ein letzter Punkt: Ich hatte einmal gelesen, dass ein Privatmann gegen die Schlechtschreibreform geklagt hatte aber die Klage abgewiesen wurde, weil diese Reform nur für Schulen und Behörden verbindlich wäre. Als Privatmann darf man schreiben wie man will.

Im Sinne einer reibungslosen Kommunikation ist es aber von Vorteil, sich verständlich auszudrücken.

Antwort 28 von Hellcat

@ Miboba:

Ach, was Du schreibst, ist doch alles relativ.

Zum Glück bin ich nicht mit dem Wort "simsen" aufgewachsen. Es gibt jedoch selbstverständlich Leute, die sagen, es sei schlechtes Deutsch (nämlich mich und da bin ich sicherlich nicht der _E_inzige).

Genauso wie - in Deinem Beispiel - die Großeltern vielleicht auch sagen würden, etwas sei schlechtes Deutsch, womit die Kinder heute aufwachsen. Anders noch, vielleicht verstehen die Großeltern gar nicht, was gemeint ist, wenn man ihnen von seinem neuen Handy erzählt, weil sie selbst so etwas gar nicht haben und das Wort gar nicht kennen. In dieser Situation wäre es z.B. vorteilhaft, "Mobiltelefon" zu sagen, weil sich darunter wohl jeder in Deutschland lebende etwas vorstellen kann. Ist zwar länger, aber korrekt, verständlich und - deutsch. Und wir leben hier nunmal in Deutschland. Da muss man sich nicht Wörter ausdenken, die es vorher gar nicht gab und nichtmal in der vermeintlichen Herkunftssprache gibt (Stichwort: Handy).

Ich bin genau Deiner Meinung, was die Entwicklung von Sprache angeht. Sie ist etwas Lebendiges, Veränderliches.
Jedoch wird ein Wort nicht deshalb richtig, weil es "normal" ist, es zu gebrauchen. "simsen" erfüllt nicht einmal die Grundanforderungen an ein herkömmliches Verb. Es ist von einem Wort abgeleitet, dass gar kein Wort ist, sondern eine Abkürzung und dazu noch eine fremdsprachliche. Zudem hat man einen Vokal eingefügt, um es besser aussprechen zu können - dieser Vokal hat aber im Grunde keine wirkliche Herkunft oder Berechtigung. Ebensogut könnte man "somsen" oder "sumsen" etc. sagen. Zur Ausspracheerleichterung im Deutschen werden, wenn überhaupt, Konsonanten eingefügt, z.B. so genannte Bindungs-"esse". ;)

In Sütterlin muss man auch nicht schreiben, wenn man für sich beschließt, gewisse Modewörter nicht zu gebrauchen (wofür man übrigens manchmal sogar erstaunt gelobt wird), denn es ist genau das Gleiche wie die Rechtschreibreform, eine in Auftrag gegebene Kunstschrift, die die natürlich entwickelte Schrift (lateinische Buchstaben) ersetzen sollte.

Antwort 29 von Hellcat

Nachtrag:

Die deutsche Sprache ist so vielfältig und so reich an Wörtern wie (meiner Meinung bzw. Erfahrung nach) keine andere Sprache auf der Welt.

Leider wissen die wenigsten Menschen auch nur ansatzweise um diesen Fundus an Wörtern, Worten und Ausdrücken. Und selbst die, die viele kennen, benutzen oftmals nur einen Bruchteil davon.

Das finde ich wirklich schade. Von Nichtdeutschen, die unsere Sprache lernen, hab ich schon oft gehört, dass deutsch (obwohl natürlich wahnsinnig schwierig zu erlernen) wunderbar sei, weil man Vieles so präzise ausdrücken kann. Es gibt so viele Schattierungen, Nuancen und Abstufungen.

Schließlich haben wir es einfach nicht nötig, unsere reiche, umfassende und sehr präzise Sprache um derartige "Wörter" (Achtung, Euphemismus) zu ergänzen.

Antwort 30 von Miboba

Sollen wir uns jetzt die verschiedensten Beispiele um die Ohren hauen?

Telefon ist auch kein deutsches Wort. Ich beantrage, dass es aus dem deutschen Sprachgebrauch entfernt und durch Fernsprecher ersetzt wird.

Noch schlimmer: Telefax ist laut Duden ein Kunstwort. Weg damit. Auto(mobil) bitte durch Karren ersetzten. Kaffee kann man durch braunes Getränk ersetzen und Cola dann durch sprudelndes braunes Getränk.

Diese überspitzten Beispiele sollen zeigen, dass schon seit Jahrhunderten aus fremden Sprachen Worte eingedeutscht werden, von denen man heute noch nicht einmal mehr weiß, dass es eigentlich Fremdwörter sind und die teilweise einen völlig neuen Sinn bekommen haben.

Wenn es das Handy, Entschuldigung, das Mobiltelefon (wobei weder Mobil noch Telefon deutsch ist) und die SMS in 100 Jahren noch gibt, wird wahrscheinlich kaum noch jemand wissen, dass simsen kein richtiges Wort ist.

Übrigens weiß meine 83 Jahre alte Oma was ein Handy ist. Ich habe aber meine Zweifel, ob sie mit Mobiltelefon etwas anfangen kann.

Ich rede und schreibe auch gerne in deutsch aber ich übertreibe es nicht und versuche nicht für jedes fremdsprachliche Wort mit aller Gewalt eine deutsche Umschreibung zu finden.

Warum sind wohl die deutschen Übersetzungen von englischen Texten immer viel länger? Oftmals gibt es keine kurzen, verständlichen Ausdrücke für verschiedene Dinge und man muss sie mühsam und umständlich umschreiben.

Nachdem ich so schön ironisch angefangen habe, versuche ich noch einen ironischen Abgang:
Zitat:
Da muss man sich nicht Wörter ausdenken, die es vorher gar nicht gab

Es werden ja auch Dinge neu erfunden und da kann man doch auch neue Namen dazu entwerfen.

Ich möchte auch mal gerne wissen, wer damals so einfach das Wort "Rad" in Umlauf gebraucht hat. Das hätte man doch einfach "Ding, das sich dreht" nennen können.

Antwort 31 von KJG17

Übrigens hat auch erst in der letzten Ausgabe des Duden von 2006 der 'USB-Stick' seinen 'amtlichen' Segen erhalten, neben dem 'simsen' und etwa 3000 anderen Wörtern, welche in den allgemeinen Sprachgebrauch schon vorher Einzug gefunden hatten. Etliche davon dürften auch hier im SN immer wieder verwendet worden sein und nur aus dem Grund, weil der eigentlich Begriffsinhalt als allgemein bekannt vorausgesetzt werden konnte und nicht erst noch 'deutsch' umschrieben werden musste. Dies wurde im Duden im Nachhinein anerkannt und auch in die offizielle deutsche Rechtschreibung übernommen.

Insofern ist die offizielle deutsche Schriftsprache tatsächlich ein Open-Source-Projekt (siehe A6) und es wäre schlimm, wenn es nicht so wäre.

Gruß
Kalle

Antwort 32 von Hellcat

Mihoba, ich habe doch lediglich meine Meinung geäußert und für diese plädiert. Hätte ich dazu einen Hinweis schreiben sollen, dass meine Ansicht keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit erhebt?

Ich weiß, auch "Fenster" und "Nase" sind Fremdwörter. Aber sie sind herkömmliche Substantive (wie alle von Dir genannten Beispiele auch) und keine Verben, die von einer fremsprachlichen Abkürzung abgleitet worden sind und dann mithilfe der deutschen Grammatik flektiert wurden.


Natürlich kann man neue Wörter bilden, wenn etwas neu erfunden wird. Aber warum tut man das bitte dann nicht (auf deutsch)?
Stattdessen entlehnt man z.B. ein Adjektiv aus einer anderen Sprache und macht es zum Substantiv, ohne logischen Zusammenhang und ohne sich vorher Gedanken zu machen, ob man das nicht auf deutsch auch irgendwie sagen könnte. Das ist es eigentlich, was ich so schade finde. Wenn man dann wenigstens den Begriff aus der Fremdsprache 1:1 übernehmen würde, ok...
Um mal bei dem Beispiel zu bleiben und zu zeigen, dass es noch westenlich umständlicher geht als im Deutschen: Ich lerne gerade Japanisch und das Mobiltelefon heißt dort, wenn man es wörtlich übersetzen würde, in etwa: "Das am Gürtel zu tragende/tragbare elektronische Gespräch". Gut, nicht? ;)


Warum die deutschen Erläuterungen länger sind, habe ich im Grund schon oben mehrfach erläutert. Im Deutschen sind sehr viel präzisere Beschreibungen möglich als z.B. im Englischen. Es gibt z.T. viele verschiedene Wörter für etwas, das im Englischen nur mit einem Begriff belegt werden kann. Diese vielen unterschiedlichen Wörter für denselben Gegenstand haben aber oftmals leicht variierende Bedeutungen im Kontext oder Abstufungen und Schattierungen, die es in anderen Sprachen nicht gibt.

Deine Folgerung, dass Deutsch unverständlich, mühsam umständlich ist, kann ich nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil, wer die Worte beherrscht, kann sich sehr viel präziser (und eben nicht unverständlich) ausdrücken als z.B. der Brite. Dass das dann meist länger ist, habe ich ja bereits oben geschrieben.

Ein interesantes Beispiel:
Wenn internationale Verträge geschlossen werden, so erfolgt das meist in mehreren Sprachen (oft in den sechs UN-Amtssprachen Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch). Das heißt, dass der Vertragstext in jeder dieser Sprachen formuliert wird und für sich Gültigkeit besitzt. In andere Sprachen wird der Text lediglich übersetzt, wobei eine dieser Sprachen als Vorlage benutzt wird, meist (aus Gründen der Einfachheit) die Englische. Der deutsche Jurist bekommt also eine deutsche Version, die jedoch vom Englischn abgekupfert ist.
Und jetzt die große Preisfrage: Wenn an einer Stelle etwas unklar ist oder ausgelegt werden muss, was macht er da? Genau, er schaut sich den Französischen Originaltext an, weil da sehr viel genauer und präziser formuliert ist, was gemeint ist und was nicht.

Ich bin auch ein Fan von Shakespeare und William Blake, aber was die Vielfalt und die Präzision anbelangt, ist Englisch eine der ärmsten Sprachen.
Französisch ist da sehr viel reicher, genauso wie eben das Deutsche. Nur das wollte ich darlegen. Nicht mehr und nicht weniger.


Die Franzosen haben übrigens auch besser geregelt, wie Ihre Sprache zu schreiben ist und wer sie verändern darf. Da wäre so eine Frage wie hier gar nicht erst aufgekommen.

Antwort 33 von Hellcat

Nachtrag 2: Meine E-Taste klemmt.

Nachtrag 3: Dass Deutsch länger ist, siehst Du ja an meinen Beiträgen. ;)

Antwort 34 von KJG17

Zitat:
Im Deutschen sind sehr viel präzisere Beschreibungen möglich als z.B. im Englischen. Es gibt z.T. viele verschiedene Wörter für etwas, das im Englischen nur mit einem Begriff belegt werden kann. Diese vielen unterschiedlichen Wörter für denselben Gegenstand haben aber oftmals leicht variierende Bedeutungen im Kontext oder Abstufungen und Schattierungen, die es in anderen Sprachen nicht gibt.


Das musste ich mir jetzt erst mehrfach durchlesen, ob ich es tatsächlich verstanden habe ist allerdings nicht gesagt. Obwohl doch die deutsche Sprach so präzise sein soll.

Die Engländer haben also für den gleichen Gegenstand gleich mehrere Bezeichnungen? Da halten wir Deutsche mit unserer präzisen Sprache doch glatt gegen und verwenden einfach das gleiche Wort für unterschiedliche Gegenstände.

Nicht jedem Nicht-Deutschen wird verständlich sein, wenn ein Hahn tropft anstatt zu krähen und er wird auch etwas grübeln, wie man unter einer frisch gestrichenen Decke schlafen kann.

Gruß
Kalle

Antwort 35 von son_quatsch

Zitat:
Warum sind wohl die deutschen Übersetzungen von englischen Texten immer viel länger? Oftmals gibt es keine kurzen, verständlichen Ausdrücke für verschiedene Dinge und man muss sie mühsam und umständlich umschreiben.
Das hat außerdem damit zu tun, dass englisch generell mit den wenigsten Platz einnimmt - ein Phänomen aus der Programmierung: wenn englische Programme in andere Sprachen übersetzt werden soll (deutsch, französisch, spanisch...) muss man für alle Textfelder jeglicher Art mindestens 30% mehr Platz einrechnen. Das hat nichts mit deutscher Präzision oder Unpräzision zu tun - das ist einfach so weil Englisch oft sehr viel kürzere Wörter hat. Noch kürzer würde es dann nur in Japanisch, Chinesisch oder Koreanisch gehen.

Zitat:
Die Engländer haben also für den gleichen Gegenstand gleich mehrere Bezeichnungen? Da halten wir Deutsche mit unserer präzisen Sprache doch glatt gegen und verwenden einfach das gleiche Wort für unterschiedliche Gegenstände.
...dann scheint dir nicht bewusst zu sein, dass die englische Sprache auch viele Begriffe mit mehreren Bedeutungen hat, z.B. break, make und jack. Und eins der größten Beispiele für ein deutsches Wort, welches es nicht im englischen gibt ist Heimat.

Antwort 36 von Hellcat

Mehrer Bedeutungen (Gegenstände) für ein und dasselbe Wort gibt es wohl in jeder Sprache. Das hat aber nichts mit dem bisherigen Thema zu tun, denn es ging genau um das Gegenteil.

@ son_quatsch:
Was Du beschreibst, ist das Tolle an kanji. Jedoch habe die dann wieder den entscheidenden Nachteil, dass mitunter (sehr) viele gleich klingen und somit in der gesprochenen Sprache wieder Schwierigkeiten auftreten können. Ich denke da gerade an den Laut "O" aus meinem kanji-Wörterbuch. ;)
Außerdem ist das Schreiben (für Ungeübte) so wahnsinnig schwer...

@ Kalle:
Bist Du etwa Nicht-Deutscher?
Ansonsten fände ich es eher bedenklich, dass Du den von Dir zitierten Abschnitt mehrfach lesen musstest. Habe ich doch lediglich zwei (einfache und recht kurze) Relativsätze gebraucht und ansonsten eine sehr einfachen Satzbau verwendet.
Grundsätzlich eige ich viel mehr zu Verschachtelungen. Aber wir sind hier ja in einem Forum.

Antwort 37 von Hellcat

Hm, meine N-Taste scheint mittlerweil auch den Geist aufzugeben... Billig-Tastatur eben.