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vor in HW-Sonstiges von spog Mitglied (205 Punkte)

Hallo liebe Helfer,
ich selbst soll wieder mal helfen, komme aber auch nicht weiter:
Laptop HP 250 G7 bootet nicht mehr: Registry Error 0x51
Meine Feststellungen mit Onboard-Diagnosetools: SSD-Error; Motherboard, RAM, Prozessor:  alles OK
Chkdsk/F und sfc/scannow konnten den Fehler nicht beheben.
Eigentlich ist die Sache nun ganz einfach: Neue SSD, System aufspielen - fertig!
Aber: Auf der SSD sind viele Daten, die der Verwender gern gerettet haben will! => 
Mit einem Linux-Live-Stick habe ich folgende Information gewonnen: Die defekte SSD (M.2) hat mehrere Partitionen, von denen eine FAT32- und eine EXT4-Partition als fehlerhaft erkannt wird. Die von mir vermutete NTFS-Partition mit den zu rettenden Daten (905 GB!) weist in dem Linux-Tool keine Fehler auf, lässt sich aber dennoch nicht einhängen (auch nicht im dortigen "Dateimanager"sad).
Ich habe noch etwas Hoffnung, die Daten zu retten, weiß nur nicht wie und bitte um eure Hilfe!
Vielen Dank im Voraus!

SpoG

2 Antworten

+1 Punkt
vor von

Hallo SpoG,

das klingt tatsächlich nach einem typischen „Windows ist kaputt, Daten aber vielleicht noch rettbar“-Fall — und die Chancen stehen gar nicht schlecht, solange die eigentliche NTFS-Datenpartition noch lesbar ist.

Der Registry Error 0x51 bedeutet meist:

  • beschädigte Registry-Hives

  • Dateisystem-/SSD-Fehler

  • sterbende SSD mit Lesefehlern

Dass:

  • RAM/Board/CPU OK sind

  • die große NTFS-Partition laut Linux nicht als fehlerhaft erscheint

  • aber trotzdem nicht mountbar ist

…spricht oft dafür, dass entweder:

  • die NTFS-Metadaten beschädigt sind

  • die Partition „dirty“/inkonsistent ist

  • oder die SSD bereits physische Lesefehler entwickelt.

Wichtig:
Jetzt möglichst nichts mehr auf die SSD schreiben.
Kein chkdsk mehr auf der Originalplatte.
Kein Windows-Reparaturversuch mehr.
Jeder Schreibzugriff kann die Lage verschlimmern.

Mein Vorgehen wäre jetzt ganz klar dieses:


1. Zuerst Zustand der SSD prüfen

Unter Linux im Terminal:

sudo smartctl -a /dev/nvme0n1

Falls smartctl fehlt:

sudo apt install smartmontools

Wichtig sind:

  • Media Errors

  • Critical Warning

  • Percentage Used

  • Unsafe Shutdowns

  • Read Errors

Wenn dort viele Fehler stehen:
SOFORT klonen, bevor weiterprobiert wird.


2. KEIN direktes Arbeiten auf der SSD

Stattdessen:
1:1-Image erstellen.

Das ist der wichtigste Schritt überhaupt.

Ideal:

  • große externe HDD/SSD anschließen

  • mindestens so groß wie die defekte SSD

Dann:

sudo ddrescue -f -n /dev/nvme0n1 rescue.img rescue.log

Falls Lesefehler:
später nochmal:

sudo ddrescue -d -r3 /dev/nvme0n1 rescue.img rescue.log

Warum ddrescue?
Weil normale Kopierprogramme bei sterbenden SSDs oft abbrechen.

Das Log erlaubt späteres Fortsetzen.


3. Erst DANACH Datenrettung auf dem Image versuchen

NICHT auf dem Original.

Image einbinden:

sudo losetup -Pf rescue.img

Dann prüfen:

lsblk

Dort erscheinen dann Partitionen wie:

/dev/loop0p1
/dev/loop0p2
...

4. NTFS reparieren (nur auf dem Image!)

Sehr oft reicht schon:

sudo ntfsfix /dev/loop0pX

(X = große NTFS-Partition)

Danach mounten:

sudo mkdir /mnt/rettung
sudo mount -t ntfs-3g /dev/loop0pX /mnt/rettung

Wenn das klappt:
SOFORT Daten kopieren.


5. Falls NTFS weiter nicht mountet

Dann TestDisk einsetzen.

Das ist vermutlich dein bester Freund in diesem Fall.

Unter Linux:

sudo apt install testdisk
sudo testdisk

TestDisk kann:

  • Partitionstabellen reparieren

  • NTFS-Bootsektoren reparieren

  • Dateien direkt kopieren

  • MFT reparieren

Gerade bei:
„Partition sichtbar aber nicht mountbar“
ist TestDisk oft extrem erfolgreich.


6. Wenn TestDisk scheitert → PhotoRec

Gehört zu TestDisk.

Das rettet Dateien roh:

  • Bilder

  • PDFs

  • Office-Dateien

  • ZIPs usw.

Nachteil:

  • keine Ordnerstruktur

  • Dateinamen oft weg

Aber besser als Datenverlust.


7. EXT4/FAT32-Fehler sind vermutlich Nebenkriegsschauplätze

Die FAT32-Partition ist wahrscheinlich:

  • EFI-Systempartition

EXT4 könnte sein:

  • Linux-Überbleibsel

  • HP-Diagnose

  • Recovery-Umgebung

Die wichtige Sache ist die große NTFS-Partition.

Dass Linux dort „keine Fehler“ meldet, ist ein gutes Zeichen.


8. Ein typischer versteckter Fall bei Windows-SSDs

Windows-Hibernation/Fast Startup.

Dann mountet Linux NTFS manchmal nicht.

Teste:

sudo ntfsfix /dev/nvme0n1pX

oder:

sudo mount -t ntfs-3g -o remove_hiberfile /dev/nvme0n1pX /mnt/rettung

ACHTUNG:
remove_hiberfile entfernt den Windows-Ruhezustand.
Normalerweise OK, aber nur machen, wenn Windows ohnehin nicht mehr startet.


9. Wenn die SSD hardwareseitig stirbt

Typische Symptome:

  • Mount hängt endlos

  • I/O Errors im dmesg

  • Linux friert beim Zugriff ein

  • SMART zeigt Media Errors

Dann:
nicht weiter herumprobieren.
Sofort ddrescue-Image ziehen.


10. Meine Einschätzung

Die Chancen stehen ehrlich gesagt noch recht ordentlich, weil:

  • große NTFS-Partition erkannt wird

  • kein kompletter Totalausfall

  • SSD noch ansprechbar

  • Diagnose nur SSD-Fehler meldet

Das riecht eher nach:

  • beschädigtem NTFS

  • kaputter MFT

  • Registry-/Windows-Schaden

…und nicht zwingend nach komplett toter NAND-Hardware.

 

0 Punkte
vor von spog Mitglied (205 Punkte)

Hallo Anonym!

Das klingt ja richtig hoffnungsvoll, und ich hoffe, deine klasse Anleitung so bald wie mir möglich ist, abzuarbeiten. Auch deine Didaktik trifft gut mein Niveau, sodass ich auf die Antwort meiner Frage nicht mit 10 neuen Fragen dastehe.

Neugierig bin ich, ob denn ddrescue die Datenpartition schnallen wird. Zuvor muss ich auch noch eine hinreichend große Platte zum Sichern herschaffen.

Ich melde mich, sobald ich berichten kann, ggf. um dann eventuell doch noch nachfragen zu müssen. Bis dahin verbleibe ich erst mal mit einem dicken Dankeschön!

SpoG

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