Hallo SpoG,
jetzt wird das Bild deutlich klarer — und ehrlich gesagt erklärt deine neue Ausgabe fast perfekt, warum du bislang keine „normalen“ Dateien der großen NTFS-Partition siehst.
Der entscheidende Punkt ist dieser:
Du befindest dich momentan NICHT wirklich innerhalb der großen Hauptpartition.
Genau das zeigt diese Stelle:
>P EFI System ...
P MS Data [BOOTTEST]
P Mac HFS ...
Die eigentliche große Partition:
MS Data 468992 1899377362
taucht dort plötzlich nicht mehr als auswählbare Hauptpartition auf.
Und das ist extrem wichtig.
Denn:
TestDisk arbeitet jetzt bereits innerhalb der unvollständigen 61GB-Struktur und versucht dort zusätzliche Dateisystemsignaturen zu finden.
Das erklärt:
Das sind mit hoher Wahrscheinlichkeit NICHT deine eigentlichen Nutzdaten.
Sondern:
zufällige oder historische Dateisystemreste, die TestDisk innerhalb des unvollständigen Images erkennt.
Genau deshalb siehst du dort:
IBMBIO.COM
COMMAND.COM
DRDOS
Das sind praktisch sicher keine echten aktuellen Benutzerdaten der SSD.
Sondern:
alte Bootsignaturen bzw. Recovery-/Toolreste.
Der wichtigste Befund ist deshalb:
Die große echte NTFS-Partition:
MS Data 468992 1899377362
wird zwar erkannt —
aber sie lässt sich NICHT direkt als vollständiges Dateisystem öffnen.
Und genau DAS ist jetzt die zentrale Erkenntnis.
Was das technisch bedeutet
Sehr wahrscheinlich liegt folgendes vor:
-
GPT ist lesbar
-
NTFS-Bootsektor wird erkannt
-
Partitionseintrag existiert
-
ABER:
Die eigentliche MFT liegt außerhalb der ersten 61GB
Oder:
Die MFT wird genau durch den kritischen SSD-Bereich beschädigt.
Das würde inzwischen perfekt zum Gesamtbild passen.
Denn:
NTFS speichert zwar den Bootsektor relativ weit vorne —
aber die eigentliche MFT kann später liegen.
Und wenn genau dort der SSD-Controller aussteigt,
kann TestDisk:
GENAU das passiert bei dir gerade.
Die Warnungen sind dabei eher Nebenwirkung
Diese Meldungen:
heads/cylinder mismatches
sectors per track mismatches
sind heutzutage meist harmlos.
Warum?
Weil moderne SSDs/GPT gar nicht mehr wirklich mit klassischer CHS-Geometrie arbeiten.
TestDisk zeigt solche Warnungen bei beschädigten oder unvollständigen Images sehr häufig.
Das ist momentan nicht dein Hauptproblem.
Wichtiger ist:
Diese Zeile hier:
Can't open filesystem. Filesystem seems damaged.
Das ist die eigentliche Kerninformation.
Sie bedeutet:
Und das passt wiederum exakt zu:
Jetzt kommt der entscheidende nächste Schritt
Ich würde jetzt NICHT mehr primär mit TestDisk arbeiten.
Denn:
TestDisk lebt stark von funktionierender MFT-/Dateisystemstruktur.
Die scheint hier unvollständig zu sein.
Deshalb ist jetzt vermutlich PhotoRec der sinnvollere nächste Kandidat.
Und zwar:
direkt auf dem vorhandenen Image.
Warum PhotoRec jetzt sinnvoll wird
PhotoRec arbeitet anders als TestDisk.
TestDisk:
rekonstruiert Dateisysteme.
PhotoRec:
ignoriert das Dateisystem weitgehend und sucht rohe Dateien.
Das heißt:
Selbst wenn:
-
MFT kaputt
-
NTFS beschädigt
-
Partition inkonsistent
ist,
kann PhotoRec oft trotzdem retten:
-
JPG
-
PDF
-
DOCX
-
XLSX
-
ZIP
-
MP4
-
PST
-
usw.
Und jetzt wird etwas sehr wichtig:
Dein 61GB-Image enthält vermutlich NUR den Anfang der SSD.
Das bedeutet:
PhotoRec kann natürlich nur Dateien retten,
die innerhalb dieser ersten 61GB liegen.
ABER:
Das könnten bereits sein:
-
Benutzerprofile
-
Desktop-Dateien
-
Dokumente
-
OneDrive-Cache
-
MFT-Fragmente
-
Browserdaten
-
Outlook-Dateien
-
Registry-Hives
Gerade Windows speichert viele kritische Strukturen relativ weit vorne.
Deshalb würde ich jetzt folgendes tun:
PhotoRec auf das vorhandene Image:
sudo photorec /media/mint/MyPassport_3TB/test.img
Dann:
-
Image auswählen
-
Partitionstyp: EFI GPT
-
die große MS-Data-Partition auswählen
-
Filesystem-Typ:
meistens „Other“ für NTFS/exFAT
-
Zielordner:
unbedingt auf der externen HDD anlegen
Zum Beispiel:
/media/mint/MyPassport_3TB/recovered
WICHTIG:
Nicht „Whole disk“, wenn vermeidbar.
Sondern:
nur die große MS-Data-Partition.
Das spart enorm Zeit.
Noch wichtiger:
Dateitypen vorher einschränken
In PhotoRec:
File Opt
Und dann nur relevante Typen aktivieren.
Sonst produziert PhotoRec gigantischen Datenmüll.
Ich würde zunächst aktivieren:
-
jpg
-
png
-
pdf
-
doc/docx
-
xls/xlsx
-
ppt/pptx
-
zip
-
pst
-
txt
-
mp4
Alles andere erstmal deaktivieren.
Meine aktuelle Einschätzung
Ich glaube inzwischen:
-
Die GPT ist weitgehend intakt.
-
Die große NTFS-Partition existiert noch.
-
Der NTFS-Bootsektor ist vermutlich lesbar.
-
Die MFT ist aber unvollständig oder liegt hinter dem SSD-Abbruch.
-
Deshalb kann TestDisk die Partition sehen, aber keine echte Dateistruktur liefern.
Und genau deshalb verschiebt sich die Strategie jetzt von:
„Dateisystem reparieren“
zu:
„Rohdaten extrahieren“.
Und ehrlich:
Für einen SSD-Fall mit:
ist dein aktueller Zustand immer noch erstaunlich brauchbar.
Denn:
Du hast wenigstens:
-
konsistentes Image
-
gültige GPT
-
erkannte Hauptpartition
-
lesbaren Anfangsbereich
Das ist deutlich mehr als bei vielen echten SSD-Totalschäden.