Hallo SpoG,
nein, grenzenlos optimistisch bin ich nicht — aber die bisherigen Ergebnisse liefern tatsächlich noch einige technisch interessante Ansatzpunkte. Vor allem zeigen sie inzwischen ziemlich klar, WO das Problem wahrscheinlich sitzt.
Zu deinen Fragen:
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Wo sitzt der SSD-Controller eigentlich?
Der Controller sitzt auf der SSD selbst.
Also direkt auf dem M.2-Modul.
Er ist praktisch der „Mini-Computer“ der SSD und verwaltet:
Das Motherboard stellt im Wesentlichen nur die NVMe-/PCIe-Anbindung bereit.
Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis für deinen Laptop:
Wenn tatsächlich der SSD-Controller instabil geworden ist — und genau danach sieht es inzwischen aus — dann bedeutet das NICHT automatisch ein Problem des Mainboards.
Im Gegenteil:
Die Tatsache, dass:
spricht eher dafür, dass:
noch funktionieren.
Das wäre für die Zukunft mit neuer SSD erstmal eher beruhigend.
Wäre der Fehler auf dem Mainboard oder NVMe-Bus, würde man typischerweise eher sehen:
Bei dir passiert aber auffällig reproduzierbar immer dasselbe.
Das ist viel typischer für einen internen SSD-Defekt.
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Warum stoppt alles genau bei ~61 GB?
Das ist inzwischen die Schlüsselfrage.
Und ehrlich gesagt:
Der reproduzierbare Stop ist fast schon „zu sauber“.
Denn:
Das sieht eher nach einem internen Mapping-/Firmwareproblem aus als nach zerstörtem NAND.
Der Controller scheint beim Zugriff auf einen bestimmten Bereich intern aus dem Tritt zu geraten.
Dadurch endet jeder lineare Lesevorgang.
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Warum PhotoRec auf dem Image trotzdem sinnvoll ist
Du hast völlig recht:
Mit PhotoRec auf test.img kannst du natürlich nur retten, was innerhalb dieser ersten 61 GB liegt.
Mehr Daten enthält das Image schlicht nicht.
Aber:
Genau diese ersten 61 GB sind jetzt die einzige stabile und kontrollierte Arbeitsgrundlage.
Und das ist wichtig.
Denn:
PhotoRec direkt auf einer instabilen SSD laufen zu lassen, kann problematisch werden.
Warum?
PhotoRec erzeugt extrem viele nichtlineare Lesezugriffe.
Anders als ddrescue liest es nicht einfach sauber Block für Block.
Es springt permanent:
Für eine SSD mit instabiler FTL-/Controllerlogik kann das deutlich belastender sein als ddrescue.
Deshalb ist der Ansatz:
„erst stabiles Image, dann Analyse“
immer noch absolut richtig.
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Deine Rechnung mit den 929 GB ist völlig korrekt
Und genau deshalb ist der Fall noch nicht wirklich abgeschlossen.
Denn momentan haben wir im Grunde nur den Anfang der SSD gesehen.
Der riesige Rest ist weiterhin unerreicht.
Und dort könnten selbstverständlich die eigentlichen Nutzdaten liegen.
Gerade:
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Fotos
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Videos
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Dokumente
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Benutzerordner
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große Archive
liegen oft weit hinter den ersten 61 GB.
Deshalb ist die entscheidende Frage jetzt eigentlich:
Kommen wir irgendwie hinter die problematische SSD-Stelle?
Denn:
Derzeit blockiert der Controller offenbar jeden linearen Zugriff darüber hinaus.
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Warum -i 62G wahrscheinlich trotzdem nicht funktionierte
Das ist inzwischen technisch ziemlich interessant.
Eigentlich hätte ddrescue mit:
-i 62G
hinter der Problemstelle beginnen sollen.
Dass es trotzdem sofort scheitert, spricht dafür, dass der SSD-Controller intern trotzdem denselben defekten Mappingbereich berührt.
Das ist leider bei sterbenden SSD-FTLs nicht selten.
Der Controller muss intern oft trotzdem Metadatenstrukturen traversieren, selbst wenn logisch weiter hinten gelesen wird.
Und genau dort scheint deine SSD abzustürzen.
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Bedeutet das endgültig „Game Over“?
Noch nicht zwingend.
Denn jetzt gibt es theoretisch noch zwei größere Richtungen:
A)
logische Rettung mit dem vorhandenen 61GB-Image
oder
B)
Versuche, den problematischen SSD-Bereich hardware-/controllerseitig zu umgehen
Und genau B wäre jetzt die „größere Eskalationsstufe“.
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Was wäre die nächste Eskalationsstufe?
Jetzt kommen Dinge ins Spiel wie:
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andere NVMe-Adapter
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andere Linux-Kernel
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anderes Betriebssystem
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andere PCIe-Implementierung
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spezialisierte Hardware-Imager
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professionelle Datenrettung
Denn manchmal reagieren SSD-Controller erstaunlich unterschiedlich auf:
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USB-NVMe-Adapter
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direkten PCIe-Slot
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andere NVMe-Treiber
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andere Kernel-Versionen
Das klingt verrückt, passiert aber tatsächlich.
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Ein möglicher sinnvoller nächster Hardware-Test
Falls verfügbar:
Die SSD NICHT mehr im HP-Laptop betreiben,
sondern:
und dort erneut ddrescue testen.
Warum?
Weil sich dann ändern:
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NVMe-Treiberpfad
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Stromversorgung
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PCIe-Linktraining
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Energiesparmodi
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Timeout-Verhalten
Und genau das kann bei grenzwertigen SSD-Controllern manchmal plötzlich deutlich weiter helfen.
Nicht garantiert.
Aber realistisch genug, um erwähnenswert zu sein.
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Warum ich PhotoRec trotzdem zuerst sinnvoll finde
Weil du aktuell bereits eine kontrollierte Rettungsbasis hast.
Und bevor man:
probiert,
würde ich zumindest schauen, ob innerhalb der ersten 61 GB bereits wichtige Daten liegen.
Denn:
Wenn dort überraschend viele Nutzdaten auftauchen, verändert das die gesamte Strategie.
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Mein aktueller technischer Verdacht
Inzwischen würde ich die Wahrscheinlichkeit ungefähr so einschätzen:
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70 % SSD-Controller-/FTL-Problem
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20 % NAND-/Mappingbereich beschädigt
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10 % sonstiges NVMe-/Firmwareproblem
Und deutlich untergeordnet:
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Mainboardproblem
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RAM
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CPU
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Windows
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Linux
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falsche Sektorgröße
Die haben wir inzwischen praktisch sauber ausgeschlossen.
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Mein Rat ab hier
Ich würde jetzt tatsächlich:
PhotoRec auf test.img ausprobieren
prüfen, ob dort bereits relevante Nutzdaten auftauchen
danach überlegen:
Denn die eigentliche Herausforderung ist inzwischen nicht mehr:
„Dateisystem verstehen“
sondern:
„den SSD-Controller irgendwie dazu bringen, hinter die 61GB-Barriere zu lesen“.